Karrierekurve nach der Reorg

Gepostet von am Jun 22, 2014 in Allgemein, Karriere und Erfolg | 6 Kommentare

Manager und die Karrierekurve nach der Reorganisation.

Mal angenommen, es war oder ist gerade Reorganisation (ersatzweise geht auch Fusion, Verkauf, Verlagerung, Downsizing und vieles mehr) und es sieht irgendwie nicht gut aus. Nein, eigentlich sieht es sogar eher schlecht aus. Du denkst: „Gestern war ich noch an dem Punkt, an dem ich im Unternehmen bleiben und mir eine gute Nische suchen wollte. Doch heute glaube ich eher, ich brauche einen neuen Job!“ Kommen dir diese Gedanken bekannt vor?

Die Millionen-Dollar-Frage.

Nun folgt häufig die Millionen-Dollar-Frage: „Was mache ich jetzt?“ Neudeutsch: „Where do I want to go?“ Ich war lange bei Microsoft, deswegen kenn ich mich mit dem Slogan ein wenig aus. Jetzt gibt’s Menschen, die sind vielleicht auch schon eine Weile erfolgreich in ihrem Job, haben viel erlebt und wissen, wie der Hase läuft. Da ist vielleicht eine Ahnung: Es läuft nicht mehr so weiter wie bisher – aber irgendwie will oder kann man sich das nicht so richtig vorstellen. Und nun?

Man tut, was man immer gemacht hat: Vollgas voraus und man bewirbt sich bei allem, was irgendwie ganz gut aussieht. Viel hilft ja bekanntlich viel, und man kann ja schließlich was. Manchmal klappt das auch und dann ist ja wieder gut. Glückwunsch, die Kurve ist genommen! Und wenn man klug war, landet man auf einer passenden Stelle im richtigen Umfeld. Spitze.

Wir übernehmen Verantwortung. Für uns selbst.

Was aber, wenn die Vollgas Sache nicht klappt? Oder sich nicht gut anfühlt? Je nach Typ fangen wir dann an zu analysieren, zu fluchen, uns zu ärgern, Angst zu kriegen, den Ex Chef und Co. Scheiße zu finden, uns selbst schlecht zu machen und vieles mehr. Das ist alles in Ordnung – wenn diese Phase vorübergeht. Wenn sie aber nicht vorübergeht­­­­­, wär es nicht eine gute Idee, mal was Anderes zu tun?

Schritt 1 – und jetzt wird’s hart für einige: Eigenverantwortung. Klartext: Ich bin verantwortlich für die Situation und auch dafür, wie es mir geht. Kommt da gleich ein Aufschrei Deines Verstands? „Das stimmt doch gar nicht, das waren doch Chef, Vorstand, Kunden etc. pp.!“ Ja, sicher waren da andere Leute mit im Spiel. Aber in 99 % der Fälle habe ich selbst, und zwar meist mein unbewusster Teil, aktiv und entscheidend dabei mitgemacht, dass es so kam, wie es jetzt ist. Und wenn meine eigene Untätigkeit war – ich bin immer selbst beteiligt.

Raus aus der Opferhaltung!

Ja, das tut erst mal weh. Aber lass Dich mal zum Test auf das Spiel ein – da ist nämlich die wunderbare Chance, etwas zu ändern, indem man sich selbst ändert. Denn wenn nicht die Anderen verantwortlich sind, dann bin ich es, der mein Leben und die belastenden Situationen erschafft. Erkenntnis: Ich kann also mein Leben und die Karriere auch jetzt wieder ändern, dafür brauch ich nicht auf die Anderen zu warten. Ich gehe aus meiner meist unbewussten Opferhaltung und werde zum Gestalter meiner Lebenswirklichkeit. Ich bin wieder am Ruder meines Lebens, immer und grundsätzlich. Und je bewusster ich das mache, desto besser fährt der Kahn.

Du entscheidest, was Dir hilft.

Was nützt Dir das alles? Ich habe selbst und bei anderen oft erlebt, dass ich mit einer Übernahme meiner Verantwortung wieder in die Kraft komme: Die Ohnmachtsgefühle lassen nach, ich komm wieder ans Ruder und das fühlt sich gut an. Du entscheidest, was Dir hilft. Gut ist, wenn ich den Schmerz der Reorganisation, die Kündigung oder Degradierung etc. wirklich verarbeiten und hinter mir lassen kann. Das dauert schon mal eine Weile, aber es gelingt. Erlaube Dir, nachsichtig und freundlich zu Dir selbst zu sein. Es war hart und da hilft es Dir einfach nicht weiter, Dir selbst noch mal eins reinzuwürgen. Wenn sich dann der Staub gesetzt hat und die Sonne wieder durchblitzt, dann geht’s weiter in der Kurve und wir schauen mal, wohin. Oft ist es nämlich alles andere als klar und einfach, wo die Reise hingehen soll …

6 Kommentare

  1. sehr schöner Artikel. Ich kann nur bestätigen: Eigenverantwortung hilft und gibt die eigene Kraft zurück. Wenn nicht, dann war es keine Eigenverantwortung, sondern eine Frage von Schuld (die schwächt).

  2. Liebe Heike, hab Dank für Deinen unterstütztenden Beitrag. Es passiert im Alltag so schnell daß man den Anderen verantwortlich macht. Da ist es gut immer wieder zurück zu kommen.
    Liebe Grüße, Volker

  3. Ja, das Verantwortungsthema ist ein guter Anstoß um darüber einmal nachzudenken. Es ist ja nicht nur die Verantwortung für jeden selbst sondern auch nicht im Übermaße die Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen (den Chef, den Ehepartner, die Eltern,…) Denn auch andere Menschen haben die Eigenart Ihre Verantwortung abzuwälzen und nicht jeder kann damit umgehen.

    • Liebe Sabine,

      vielen Dank für Deine nachdenkliche Anregung. Ich glaub ja wir leben in einer Kultur wo dauernd jemand Schuldiges gesucht wird, das hinterläßt so seine Spuren. Und schuld sind ja bekanntlich immer die Anderen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. LG, Volker

  4. Wenn der Job, die Aufgabe weg ist und man sich als Opfer fühlt, nimmt zunehmend die Selbstsicherheit und der Glaube an sich selbst ab. Das Tal der Tränen ist dann ziemlich tief. Rauskommen geht nur mit Eigenverantwortung! Das sehe ich genau wie Volker.

    Der erste Schritt kann dann sein, sich gezielt Hilfe und Unterstützung zu holen: von einem Coach, von einem Berufsberater, einem guten Freund. Entscheidend ist, zu reden, das Belastende nach außen zu bringen. Dann wird der Blick wieder klarer und vielleicht zeigt sich dann auch schon der Horizont.

    • Genau so ist das. Oft meint man ja die Umstände (Zentrale, HQ…) wären schuld wenn (m)eine Stelle wegfällt. Auch wenn das subjektiv sich richtig anfühlen mag, es hilft nicht weiter.
      Besser ist am Ende doch die Haltung dass man selbst, oft unbewußt, die Situation erschaffen hat – damit gelingt ein wichtiger Schritt, um wieder in die innere Freiheit und Handlungsfähigkeit zu kommen.
      Und mal eine Weile ärgern, wütend sein und alles andere darf auch sein, das ist wichtig für die Psychohygiene.

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